Wir feiern den 8. Mai!

» Für mich bedeutet der 8. Mai einen Tag, der eigentlich ein Feiertag für alle, nicht nur ein persönlicher sein sollte. Für mich bedeutet der 8. Mai eine Provokation durch eine Mehrheitsgesellschaft, durch eine Regierung, die gerne pathetisch den schon lange ermordeten Opfern von Vertreibung, Genozid und Gegner*innen von Faschismus gedenkt, aber die gleichzeitig den heutigen Opfern von Vertreibung und Rassismus mit weiterer struktureller Gewalt begegnet. Für mich ist der 8. Mai ein nicht eingelöstes Versprechen, für das wir alle kämpfen müssen! «

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» Für mich bedeutet der 8. Mai einerseits schon ein Ende, aber es war gleichzeitig auch der Anfang eines Prozesses, der erst vollendet sein wird, wenn Faschismus nicht mehr möglich ist. «

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» Für mich bedeutet der 8. Mai, mir immer wieder bewusst zu machen, für wen die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht eine Niederlage und sogar Bedrohung war und für wen eine Befreiung. Dass eben nicht alle gleich unter dem Krieg gelitten haben, wie es uns auch und gerade heute noch so gern und oft erzählt wird. «

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» Für mich bedeutet der 8. Mai eine Rettung in letzter Sekunde. In den späten Kriegstagen zwangen die Nazis meinen sechzehnjährigen Großvater und zahlreiche weitere Gefangenen eines KZ im Umkreis Dachau in einen Zug, der in die Alpen fahren sollte, wo die Nazis die Gefangenen zu erschießen planten. Aber so weit kam es nicht. Gleichzeitig bedeutet für mich der 8. Mai eine Befreiung, die viel zu spät kam: für Millionen von Menschenleben, für die ganze Familie meines Großvaters. «

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Von Mitgliedern des Kollektivs zum 8. Mai 2021.